
Mythos mit Lackschaden
Die Wärmepumpe boomt und wird allenthalben gefördert. Bei dieser Euphorie geht vergessen, dass die neue Technologie auch einige Fragezeichen aufwirft.
Wohlverstanden: hier soll nicht eine durchaus sinnvolle Heizoption in die Pfanne gehauen werden. Hier geht es allein um den Hinweis, dass die Wärmepumpe leider kein Patentrezept ist und Pro und Contra wie bei allen übrigen Heizoptionen gegeneinander abgewogen werden müssen.

So funktioniert die Wärmepumpe
Eine Wärmepumpe bringt mit 1/3 bis 1/4 elektrischer Energie 2/3 bis 3/4 Umweltenergie von einem niedrigen Temperaturniveau auf ein Temperaturniveau, das sich für Heizzwecke eignet.
1 Verdampfen
Ein flüssiges Transportmedium mit tiefem Siedepunkt nimmt die Umweltwärme auf und wird durch diese Erwärmung gasförmig.
2 Verdichten
Ein Kompressor komprimiert das gasförmige Transportmedium und erhöht den Druck; das Medium erhitzt sich.
3 Verflüssigen
Das Transportmedium gibt seine Wärme an das Heizsystem ab. Dabei wird es flüssig.
4 Entspannen
Der Druck wird abgebaut, das Medium kühlt sich weiter ab und ist so bereit, wiederum Umweltwärme aufzunehmen.
Auf dem Markt sind Wärmepumpen erhältlich, welche die Umweltwärme aus der Luft, dem Grundwasser oder den tiefen Bodenschichten mittels Erdsonden beziehen. Die zwei letzteren Methoden setzen in der Regel relativ aufwändige Bohrverfahren voraus.
Die Schwachstellen der Wärmepumpe
Namentlich für die Wärmepumpen, welche die Energie aus der Luft beziehen, haben Praxistests hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit deutliche Fragezeichen aufgeworfen. Es zeigte sich, dass im harten Feldbetrieb eine wesentlich tiefere Energieeffizienz zu verzeichnen war als unter den idealen Bedingungen auf dem Prüfstand.
Ein weiteres Problem: Bei den günstigen Wärmepumpen, welche die Energie aus der Luft beziehen, ist die Quelltemperatur nicht konstant. Je tiefer die Aussentemperatur desto geringer die Leistungsziffer. Oder anders gesagt: Genau an jenen Tagen, an denen wir viel Energie benötigen, nimmt die Effizienz ab. Die Wärmepumpe läuft dann mit einem sehr hohen Stromanteil, was auf der Stromrechnung zu überraschungen führen kann.
Ausserdem läuft eine Wärmepumpe nur bei tiefen Vorlauftemperaturen effizient. Sie setzt damit eine Flächenheizung (Fussbodenheizung oder Wandheizung) voraus und eignet sich kaum für die Altbausanierung.
Die Ökobilanz der Wärmepumpe ist direkt abhängig vom Strommix. Nur mit Ökostrom geht die Nachhaltigkeitsrechnung voll auf. Die Rechnung in Franken und Rappen stimmt in manchen Fällen genau dann aber nicht mehr. Denn Ökostrom ist teuer.

Trotz Öko-Image ein Stromfresser
Falls der Wärmepumpen-Boom weiterhin so steil ansteigt, wird die Verknappung der Elektrizität noch akzentuiert. Und es wäre eine Ironie der Geschichte, wenn die scheinbar umweltfreundliche Wärmepumpe den Elektrokonzernen Trümpfe für einen weiteren Ausbau der Kernenergie in die Hand spielt. So gesehen ist es kein Zufall, dass die Wärmepumpe von den Elektrokonzernen gefördert wird.

